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Natascha 20




„Iss nicht soviel.“
Natascha schaut Miriam verwirrt an.
„Das ist schon der zweite Toast mit Marmelade“, sagt Miriam.
„Und? Was macht das?“
„Du bist nun ein Fotomodel und musst auf deine Linie achten, eigentlich dürftest du zum Frühstück nur etwas Watte essen“, Miriam lacht bei den Worten.
„Wir wissen doch gar nicht, ob die Bilder überhaupt etwas werden, ob Helga damit zufrieden ist.“
„Das stimmt, ich habe es auch nicht ernst gemeint, allerdings …“
„Ja?“
„Ich mag dich so wie du bist“, meint Miriam, „so schlank meine ich. Ich glaube nicht, dass dir ein Bäuchlein stehen würde.“
Natascha stellt sich hin, streckt sich, „Siehst du, kein Bauch.“
„Jetzt noch nicht“, Miriam grinst, als sie das sagt.
Natascha schaut an sich herunter, streicht über ihren Bauch und fragt mit todernster Mine, „Was ist denn, wenn ich von der ganzen Fickerei schwanger werde?“
Einen Moment schaut Miriam ihre Freundin verwirrt an, dann beginnen beide zu lachen.
„Was dabei wohl rauskommen mag?“, fragt Miriam und gibt prustend die Antwort: „Eine Gummipuppe!“

Natascha stellt sich breitbeinig und mit angestrengten Gesichtsausdruck in die Hocke, feuert sich an, „Pressen! Pressen!“ und macht ein lautes Furzgeräusch.
Beide schütten sich aus vor Lachen. Machen noch weitere Scherze, bis sie beide vor lauter Lachen außer Atem sind und rote Gesichter haben.
Eine dreiviertel Stunde sind sie zum Aufbrechen fertig. Zum Aufräumen blieb keine Zeit mehr, sie hatten zu viel Zeit mit ihrer Ulkerei verbracht und mussten sich beeilen. Miriam trägt wie üblich eine Hose, während Natascha ihren kurzen Rock und eine passende Bluse trägt. Sie hat sich von Nicki ein Mieder geliehen und muss bei einem Blick in den Spiegel zugeben, das ihr ein dicker Bauch nicht stehen würde. Kurz muss sie an Monika, an ihre Schwester denken und kann nun nachempfinden, was dieser bei einem Blick in den Spiegel durch den Kopf gehen muss und warum sie so gehässig gegenüber schlanken Frauen ist. Natascha verdrängt diesen Gedanken, obwohl sie nicht weiß was sie erwartet, ist sie aufgeregt. So aufgeregt, dass es ihr gar nicht bewusst wird, dass sie als Natascha das Haus verlässt. Gestern war sie dabei noch ein wenig unsicher.

Als sie bei Helgas Werkstatt angekommen verfliegt die Aufregung schnell. Der Fotograf ist schon dort, wartet schon. Vom ersten Augenblick an beginnt er Natascha anzutreiben. Er schaut ständig auf die Uhr und verbreitet Stress. Der einzige Grund warum Natascha nicht auf dem Absatz kehrt macht, ist der, dass Helga abwinkt und ihr zuflüstert, dass Arnold, so heißt der Typ, anfangs immer so ist, er wird bald ruhiger werden. Natascha schaut sich den Mann an. Er ist, wie Helga schon recht alt, sicher auch über fünfzig. Er ist korpulent und hat ein rotes grobporiges Gesicht. Natascha findet ihn unsympathisch, er ist so ganz anders als Helga, die etwas mütterliches an sich hat. Lange kann sie nicht darüber nachdenken, der Typ scheucht sie in das Umkleidezelt. Miriam soll helfen, damit es schneller geht. Dem Fotografen geht es jedoch nicht schnell genug. Natascha hört ihn, wie er sich über lahmärschige Amateure auslässt und versucht sich schneller umzuziehen. Miriam hilft so gut sie kann. Fertig umgezogen steht Natascha kurze Zeit später vor Arnold, der sie unzufrieden anschaut.

„Sie ist zu farblos und bewegt sich wie ein Trampel“, sagt er zu Helga, zeigt dabei auf Natascha.
Helga lächelt Natascha an und meint: „Ich sorge schon für etwas mehr Farbe. Sie steht das erste Mal vor einer Kamera, also halte dich etwas zurück. Du wirst schon sehen, sie hat das gewisse etwas.“
Arnold zieht die Stirn in Falten, „Mag sein.“ Er seufzt, „Gut wir versuchen es, aber erst mehr Farbe ins Gesicht und mehr Oberweite. Die Klamotten sitzen noch nicht richtig.“
„Das machen wir schon“, meint Helga und zieht Natascha mit sich.
Sie gehen noch mal in das Umkleidezelt. Dort öffnet Helga Nataschas Bluse und stopft ihren BH mit Papiertaschentüchern aus und formt das ganze solange mit den Händen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist. Die Bluse wird wieder geschlossen. Helga wirft einen prüfenden Blick auf Nataschas Oberkörper und nickt, so ist es besser. Sie bedeutet Natascha im Zelt zu warten, geht raus und kommt gleich darauf mit einem Kosmetikkoffer wieder. Bevor es ans Schminken geht, wird Nataschas Bluse mit Sicherheitsnadeln gerafft, so dass sie besser sitzt. Mit dem Rock verfährt sie ebenso. Wieder nickt sie zufrieden und beginnt mit Make up an Nataschas Gesicht zu arbeiten. Als Helga fertig ist und Natascha in den Spiegel schaut, ist diese sehr erschrocken, sie sieht aus, als wäre sie in einen Tuschkasten gefallen, dass sagt sie auch.

Helga beruhigt sie, jetzt mag es übertrieben aussehen, doch später auf den Bildern wird es natürlich aussehen. Arnold sei ein echter Könner auf seinem Gebiet, auch wenn er etwas barsch rüber kommt. Er holt das beste aus den Modells heraus und auch aus dir.
Natascha kann dem nicht zustimmen. Es dauert fast eine Stunde, bis ersten Fotos gemacht werden. Danach geht es stressig weiter. Umziehen, in Positur stellen und sich das gemecker von Arnold anhören. Er ist mit nichts zufrieden. Es fällt immer wieder das Wort „Trampel“ und nicht nur sie wird damit bedacht, auch an Miriam lässt er kein gutes Haar, als sich diese für einige Aufnahmen umziehen soll. Die ganze Fotosession geht bis sechs Uhr Abends. Natascha ist danach fertig mit den Nerven, zumal sie nicht mal das geschafft haben, was Helga sich vorgenommen hatte. Von den zehn Kombinationen aus Röcken und Blusen hatte Natascha nur sieben vorführen können. Es lag an Arnold, er war nie zufrieden, immer hatte er etwas zu mäkeln. Natascha ist froh, als der Fotograf nach kurzer Verabschiedung die Werkstatt verlässt. Sie reinigt ihr Gesicht und legt mit Miriams Hilfe ein dezentes Make Up auf, schlüpft danach in ihre eigenen Sachen und fühlt sich etwas besser. Ihr Magen knurrt.

Helga hört es, lacht und meint: „Modells lieben das Geräusch.“
„Ich habe seit heute Morgen nichts gegessen“, entschuldigt sich Natascha.
„Ihr könnt euch unterwegs ja einen Salat besorgen.“
„Salat?“, Natascha steht der Sinn nach etwas deftigen.
„Wenn du weiter für mich Modell stehen möchtest, dann solltest du auf deine Linie achten“, erklärt Helga. Sie zeigt auf sich und schmunzelt, „Ich habe das nicht mehr nötig, bei mir ist Hopfen und Malz verloren.“

„Ich glaube nicht, dass die Bilder was geworden sind. Ich habe wohl kein Talent dazu.“
„Natürlich hast du das, wie kommst du nur darauf?“
„Na, dieser Arnold war doch total unzufrieden mit mir und mit Miriam.“
„Der ist immer so, er war heute sogar noch nett. Wenn er der Meinung gewesen wäre, dass du kein Talent hast, dann hätte er seinen Kram nach den ersten Fotos eingepackt und wäre abgerauscht. Das er solange hier war, spricht für dich. Wir warten ab, bis die Bilder fertig sind.“
„Wann können wir die denn sehen?“, fragt Miriam.
„Arnold lädt sie auf seiner Homepage hoch. Die ist Passwort geschützt, ich rufe euch an und sage euch, wie und wo ihr die findet. Du kannst danach in Ruhe aussuchen, welche Bilder du nicht magst und welche ich nehmen darf, die, die du ablehnst, werden gelöscht.“
„Werden die auch wirklich gelöscht?“, Natascha ist skeptisch.

„Arnold mag etwas grob wirken, er ist aber zu einhundert Prozent vertrauenswürdig.“
„Und wenn mir keines davon gefällt, dann werden alle gelöscht?“
„Darauf gebe ich dir mein Wort, wenn du willst, dann gebe ich dir das auch schriftlich“
Natascha zögert ein wenig, dann schüttelt sie den Kopf, „Das ist nicht nötig.“
Helga lächelt, „Gut, wir müssen aber trotzdem noch etwas regeln.“ Sie holt ein paar Blatt Papier und zeigt es Natascha. „Das ist ein Vertrag, der die Rechte an deinen Bildern regelt. Arnold hat als Fotograf die Urheberrechte, er tritt diese jedoch an mich ab. Das bedeutet, dass die Bilder rechtlich mir gehören und nicht kopiert werden dürfen, es sei denn, ich gebe mein Einverständnis dazu. Hier gibt es auch den Passus, dass das nur für Bilder gilt, die du freigeben hast, alle anderen werden vernichtet.“

„Ein Vertrag?“, fragt Natascha.
„Du willst doch nicht, dass mit den Bildern Schindluder getrieben wird und ich will nicht, dass sie bei anderen Modelabeln auftauchen.“
Helga schaut Natascha und Miriam ernst an. „Bei den anderen Fotos, die in die Zeitung gekommen sind, da habt ihr einen mündlichen Vertrag mit dem Fotografen abgeschlossen. Ihr könntet versuchen rechtlich gegen diesen Mann vorzugehen, werdet aber wenig Erfolg damit haben. Mit diesem Vertrag“, sie hält die Blätter hoch, „habt ihr das Gesetz auf eurer Seite.“
Das leuchtet ein und sowohl Natascha, als auch Miriam, von ihr wurden auch Bilder gemacht, unterschreiben den Vertrag und fühlen sich dabei sehr erwachsen. Nach dem alle Formalitäten geklärt sind, werden die beiden von Helga verabschiedet, nicht ohne nochmal darauf hinzuweisen, dass sie beide heute großartig waren und dass die Aufnahmen bestimmt sehr gut geworden sind.

Auf der Rückfahrt meldet sich Nataschas Magen erneut mit einem lauten Knurren worauf aus Miriam Bauch ein Echo folgt. Beide lachen und wollen schon in einen Imbiss gehen, als ihnen Helgas Worte über die schlanke Linie ins Bewusstsein kommt. Sie schnallen gedanklich ihre Gürtel enger und fahren nach Hause, um sich dort ein kalorienarmes Abendessen zuzubereiten. Danach gehen sie noch rasch runter zu Nicki, um dort über ihren Tag zu berichten, bevor sie erschöpft zu Bett gehen. Es ist noch sehr früh, aber sie fühlen sich beide erschlagen. Das bekommt auch Yus zu spüren, der bei Natascha anruft und wissen will, wie es gelaufen ist vor der Kamera. Er wird mit ein paar kurzen Phrasen abgespeist, bekommt aber das Versprechen, das er morgen oder übermorgen mehr erfährt.

Am nächsten Morgen wissen beide nicht mehr wann sie eingeschlafen sind. Natascha setzt sich auf die Bettkante, wischt mit beiden Händen über ihr Gesicht reckt sich und kratzt sich wenig Damenhaft am ganzen Körper. Sie gähnt herzhaft und lässt sich wieder ins Bett plumpsen, kuschelt sich kurz an Miriam und sagt ihr das sie sie Liebt. Miriam, selber noch ganz schlaftrunken, lächelt und erwidert den Liebesschwur. Langsam schälen sie sich aus dem Bett, tapsen ins Bad, wo eine Dusche ihre Lebensgeister weckt. Nachdem sie sich trockengerubbelt haben, stehen beide vor dem Spiegel und bürsten sich das Haar. Ntascha frisiert sich zunächst so, wie es zu einer jungen Frau passt, seufzt dann leise, feuchtet sich das Haar nochmal an und kämmt es zu einer langweiligen Frisur, die typisch für Lars ist.
„Immerhin brauchst du dich nun nicht mehr zu rechtfertigen, dass du nicht zum Friseur willst“, versucht Miriam zu trösten.
Da muss Lars zustimmen, der nun den Platz mit Natascha getauscht hat und aus dem Spiegel herausschaut. Es hat auch sein gutes, wenn man geoutet ist.
„Dennoch wirst du nicht um einen Termin beim Friseur herumkommen“, gibt Miriam zu bedenken. „Noch geht es ja, aber irgendwann wird es zu wild und sieht dabei ungepflegt aus.“
Wieder stimmt ihr Lars zu, aber das hat noch etwas Zeit. Etwas später, beim Frühstück, taucht die Kalorienfrage wieder auf.
„Soll ich ab jetzt jeden Tag die Kalorien zählen?“, fragt Lars.
„Ich mache das schon seit langem, die meisten Mädchen und Frauen machen das und Natascha sollte es auch tun.“

Lars brummelt etwas unverständliches. Auf lange Sicht gesehen ist das Dasein als Frau nicht nur angenehm, zumal er keine Ambitionen hat eine Frau zu werden. Er möchte nur ab und zu mal die Freuden des weiblichen Geschlechts zu erleben. Lars wiegt den Kopf, ab und zu mal wäre ihm zu wenig, aber ganz Frau sein … Er zuckt mit den Schultern, diese Gedanken führen zu nichts.
Miriam schaut ihn fragend an.
Lars lächelt, „Wenn es mädchenhaft ist, dann wird Natascha ab jetzt auch mit dem Kalorienzählen anfangen.“

„Das gilt aber auch für Lars.“
Er gibt sich geschlagen, Miriam hat ihn durchschaut, „Ja, auch für mich.“
Lars zeigt auf seine Brotdose, „Etwas zu Essen darf ich doch mitnehmen?“
Miriam gibt ihm einen Kuss. „Natürlich mein Schatz, wir sind jetzt immer zusammen und können unser Leben gemeinsam planen. Wir stellen einen Menueplan für uns zusammen, machen viel Sport und achten auf unsere Figur.“ Miriam lacht. „Schließlich sind wir nun Modells.“
„Erst mal sehen, ob die Bilder was geworden sind.“
Miriam zieht eine Schnute. „Man merkt das Lars am Tisch sitzt. Natascha würde anders reden.“
Lars horcht in sich hinein. Stimmt das, würde Natascha anders darüber denken?
Natürlich. Denk mal an deinen Chef und an Lothar, beide fanden das du auf dem Bild in der Zeitung Süß ausgesehen hast.

Als Lars gedanklich nichts darauf erwidert, meldet sich Natascha erneut. Was war denn vorhin vor dem Spiegel. Du musst deine Haare sogar besonders frisieren, damit du nicht zu hübsch aussiehst.
Hier muss Lars seinem zweiten Ego recht geben.
Er lächelt Miriam an, die von der geistigen Diskussion nichts mitbekommen hat.
„Ich habe das doch nur gesagt, weil ich so aufgeregt bin, was die Bilder angeht.“ Er wirft mit einer typisch weiblichen Geste den Kopf etwas zur Seite und meint: „Ich weiß doch, dass wir hübsch sind.“

„Da hast du aber so gerade eben deinen Kopf aus der Schlinge gezogen oder war das Natascha.“ Miriam grinst.
„Waren wohl wir beide“, sagt Lars.
Waren wohl wir beide, äfft ihn Natascha im Geiste nach.
Alle Männer sind Chauvinisten.
Lars runzelt etwas die Stirn, was zum Teufel ist ein Chauvinist und warum kennt Natascha solche Wörter. Wird er langsam wirklich schizophren.
„Was ist?“, fragt Miriam.
„Ich äh, ich habe gerade überlegt, wann der Bus fährt und welchen ich nehmen muss“, weicht Lars aus.

„Gar keinen Bus, du kannst mein Auto nehmen, ich gehe zu Fuß zur Arbeit, es steht also doch nur hier herum.“
„Danke!“ Lars fällt ein Stein vom Herzen. Das mit dem Bus hatte er nur gesagt, um nicht den wahren Grund für seinen nachdenklichen Gesichtausdruck erklären zu müssen. Das Problem wie er zur Arbeit kommt, bestand aber wirklich. „Vielen Dank Miriam.“ Lars steht auf, nimmt seine Freundin in die Arme und küsst sie sehr lange und innig. Nach dem Kuss schaut er sie an und sagt: „Es ist schön das es dich gibt und das wir so viel Liebe füreinander empfinden. Ich freue mich auf unser gemeinsames Leben.“
Miriam seufzt, „Das klingt so schön.“

Sie seufzt erneut, als sei einen Blick auf die Uhr wirft. „Wir müssen uns langsam fertig machen.“
In der Abgeschiedenheit seines Arbeitsplatzes auf dem Kran im Zementwerk, denkt Lars mal wieder über sich und Natascha nach. Sie hat sich nicht wieder gemeldet. Bis jetzt. Lars grübelt auch noch über das Wort Chauvinist. Gehört hat er es schon mal, nur die Bedeutung kennt er nicht. Er horcht in sich hinein, jetzt wäre es für Natascha ein guter Zeitpunkt sich zu melden. Sie tut es nicht. Ist sie eine zweite Persönlichkeit? Ist sie immer da oder nur manchmal, so wie es bei dem Klopfer geschieht?

Ist Natascha für mich das, was der Klopfer für Natascha ist? Lars schüttelt den Kopf, so viele Fragen. Die letzte kann er jedoch verneinen, er hat den Klopfer auch in seinen Gedanken gehört. Miriam hat jedoch noch nie den Eindruck vermittelt, dass sie Natascha gehört habe.
Um sich abzulenken fragt er sich, wie er auf den Bildern aussehen mag. Er berichtigt sich, wie Natascha wohl aussehen mag. Bei der ganzen Hektik und dem ganzen herumgefummle an den Kleidern, konnte er sich gestern kaum im Spiegel betrachten. Dieses übertriebene Make Up war auch nicht nach seinem Geschmack. Hoffentlich ist es keine Enttäuschung, wenn er die Fotos zu Gesicht bekommt. Er mag sich doch, wenn er Natascha ist und das was er dann im Spiegel sieht, ist eine hübsche Frau. Die anderen Leute sehen das doch auch so. Wenn es nicht so wäre, dann würde man sie anstarren und auch Yus würde sich von ihr abwenden. Sie überlegt … Lars schüttelt den Kopf, irgendwie hat sich Natascha nach vorne gedrängt. Er lächelt ins Leere. Ist doch egal, wenn Natascha an seiner Stelle diese Arbeit machen würde, dann würde sie nun ebenso hier sitzen, wäre mit Pulli und Jeans zur Arbeit gefahren, hätte sich die Arbeitskombi angezogen und würde nun die Schalter und Hebel bedienen.

Genauso wäre es, stimmt Natascha zu und nun ist sie es, die ins Leere lächelt und sich ihre Gedanken über Gott und die Welt macht. Es ist auch Natascha, die mit den Kollegen zusammen beim Frühstück und zum Mittag im Aufenthaltsraum sitzt. Aufgefallen ist es fast keinem, nur Lothar schaute sie in der Frühstückspause etwas seltsam an. Sie lächelte nur und zuckte mit den Schultern. Sie hört sich auch die Aufschneidereien von Markus an und lauscht den Gesprächen der anderen, so wie es Lars auch immer macht. Die korrumpierenden Bilder von letzter Woche kommen dabei nicht zur Sprache. Natascha ist froh darüber dass hier nur Männer arbeiten, die ticken anders. Nur als sie nach der Mittagspause über den Platz läuft, kommt wieder ein dummer Spruch von Markus, sie würde sehr mit dem Hintern wackeln. Später, als Natascha ausstempelt, nimmt sie eine der Sekretärinnen zur Seite und meint zu ihr, dass sie gehört habe was Markus auf dem Platz hinter ihr her rief und wenn Natascha sich deswegen beim Chef beschweren möchte, würde sie hinter ihr stehen.

Natascha zuckt mit den Schultern, „Solange sie nur gucken und dumme Sprüche machen, ist es mir egal.“
„Ja, igitt, ich hasse diese Typen, die einen immer betatschen müssen“, meldet sich die zweite Sekretärin zu Wort.
„Genau“, bestätigt die erste, „und dabei meinen die Typen noch, dass Frauen, die sich modisch anziehen, es darauf anlegen angemacht zu werden.“
Natascha kann da nicht mitreden, nickt aber.
Nun tritt die ältere der beiden Sekretärinnen an Natascha heran, schaut sie direkt an und meint, „Wir haben das Bild in der Zeitung gesehen.“ Sie lächelt als sie weiter redet, „Ich habe schon immer gedacht, dass du zu hübsch für einen Mann bist, du siehst toll aus auf dem Foto.“

Auf dem Weg zum Auto fragt sich Natascha was einen Mann und was eine Frau ausmacht. Ihr Schritt verlangsamt sich als sie darüber nachdenkt. Die Kleidung ist unterschiedlich, die Statur ebenso. Männer sind meist breiter gebaut, sind größer. Natascha beißt sich auf die Lippe, das sind ja die Probleme von Lars. Er ist recht schmal und nicht sehr groß. Männer und Frauen bewegen sich anders. Okay, denkt Natascha, das ist eine reine Übungssache. Frauen haben eine schmale Taille und breite Hüften. Natascha nickt, das ist wirklich ein gravierender unterschied. Sie erreicht Miriams Auto und setzt sich hinter den Lenker, als ihr Hintern den Sitz berührt, fällt ihr noch ein unterschied ein. Frauen haben einen dickeren Po. Sie lächelt, daran arbeiten sie und Miriam schon. Der Klopfer hilft dabei. Sie überlegt weiter, mit passender Kleidung kann man viel kaschieren. Es gibt es aber Grenzen, nicht jeder Mann in einem Kleid, geht als Frau durch. Auf der Heimfahrt gehen ihre Gedanken weiter. Kann man aus einer Frau einen Mann machen? Sie wiegt den Kopf hin und her, ja, auch das würde gehen. Es kommt jedoch auf den Typ an. Eine Frau mit ausgeprägten weiblichen Formen würde nicht als Mann durchgehen.

Die Stimme! Richtig, daran hat Natascha noch gar nicht gedacht. Männer haben eine tiefere Stimme. Sie denkt an sich selber, welche Stimmlage hat Lars? Sie hat noch nie darauf geachtet. Wie ist das bei Nicki? Da passt die Stimme, oder etwa nicht? Auch da hat sie noch nicht darauf geachtet. Sie wird das mal mit Miriam besprechen. Über all ihre Grübeleien hat sie gar nicht gemerkt, dass sie schon fast zu Hause ist. Natascha muss lächeln. Wie schnell man sich an etwas gewöhnt, so lange ist sie noch gar nicht hier zu Hause. Sie fragt sich, ob Miriam schon daheim ist, sonst hat sie ein Problem. Ohne Schlüssel kommt sie nicht rein, noch etwas, dass sie mit Miriam besprechen muss.

Zum Glück ist schon jemand da. Auf ihr klingeln wird die Tür geöffnet, als sie jedoch nach oben gehen will, hält Miriam sie zurück, kommt runter und sagt, dass sie noch schnell einkaufen fahren müssen. Natascha hätte sich zwar lieber gleich umgezogen, fügt sich aber. Einkaufen kann auch ganz schön sein. Weniger schön ist jedoch, dass Natascha sich langsam zurückzieht und Lars die Führung übernimmt. Bei der Arbeit kennt man sein Geheimnis und wenn er es nicht übertreibt, kann er in seiner Fantasie zu Natascha werden. Hier im Geschäft geht das nur bedingt. Zu viele fremde Menschen sind um ihn herum. Besonders die Männer machen ihm angst. Nein, Angst ist es nicht, die Männer verstärken sein Minderwertigkeitsgefühl. Er wird sich seine Größe und den schmalen Schultern bewusst. Lars drängt sich an Miriam, die ihn fragend anschaut. Es macht den Anschein, als suche er Schutz bei ihr. Sie lässt seine Hand los, die sie bislang gehalten hat und legt den Arm um ihn. Er tut es ihr gleich und fühlt sich ein wenig besser. Etwas mulmig ist ihm jedoch immer noch zumute. Erst als sie mit dem Einkauf fertig sind, alles verstaut haben und nebeneinander im Auto sitzen, atmet Lars erleichtert auf.

Nun geht es ihm gut.
„Was war denn gerade mit dir los?“, fragt Miriam und schaut Lars an. Sie legt die Hand erschrocken vor den Mund, „War was bei der Arbeit los. Hattest du Schwierigkeiten? Du hast nichts gesagt, als wir los fuhren. Was ist geschehen?“ Miriam macht sich Vorwürfe.
„Nein, nein bei der Arbeit war alles gut. Sehr gut sogar, aber gerade eben im Laden …“, Lars kann seine Gefühle schlecht in Worte fassen.
„Ich fühlte mich so verloren, so minderwertig.“
Miriam tätschelt seine Hand, „Das bist du doch nicht. Du bist nicht verloren, nicht alleine. Ich bin bei dir und die anderen auch“, sie zählt auf, „Nicki, mein Papa, meine Mama, Uwe, Yus hält auch zu dir, ebenso wie Sasa und Fab.“ Sie streichelt sein Gesicht. „Du bist nicht alleine und schon gar nicht minderwertig.“
„Danke“, Lars rückt näher zu Miriam hin, legt seinen Kopf auf ihre Schulter und sagt leise: „Ich liebe Dich.“
„Ich liebe dich auch“, antwortet Miriam ebenso leise. Sie übt sanften Druck auf Lars aus, so das er wieder richtig zu sitzen kommt und meint: „Nun lass uns nach Hause fahren.“
„Ja, nach Hause.“ Er lächelt dabei, etwas unsicher zwar, aber immerhin ein Lächeln.

Oben in der Wohnung nehmen sich die beiden in die Arme und küssen sich lange. Richtig begrüßt hatten sie sich heute noch gar nicht. Danach macht sich Lars im Bad etwas frisch und kommt als Natascha zurück zu Miriam. Sie sprechen über das, was im Geschäft geschehen ist. Natascha versucht ihrer Freundin zu vermitteln, was Lars fast in Panik versetzt hat. Obwohl sie es selber erlebt hat, schließlich sind Lars und Natascha keine getrennten Individuen, kann sie es mit etwas Abstand in der dritten Person erklären. Sie beschreibt, wie Lars von den ganzen Menschen immer mehr eingeschüchtert wurde, besonders von den Männern. Fast jeder Mann und viele Frauen waren größer als er. In sein zweites Ego konnte er nicht flüchten, zum einen hatte er angst, dass man dadurch erst auf ihn aufmerksam würde, was ihn nur noch mehr einschüchterte und zum anderen fehlten die Attribute, die ihn zu Natascha machten.

Er trug weder das Zauberhöschen, noch ein anderes weibliches Kleidungsstück. Sein Äußeres war nicht auf Natascha getrimmt. Bei der Arbeit war das anders. Natascha erzählt Miriam, was sie heute dort erlebte. Das mit keinem Wort das Bild in der Zeitung zur Sprache kam und sich die Kollegen normal benahmen. Sie muss sich berichtigen, erzählt von dem, was sie mit den Sekretärinnen erlebte und dass diese sehr wohl von dem Bild in der Zeitung sprachen. Das alles gab ihr mächtigen Auftrieb, bis – ja bis zum einkaufen, wo der kleine, verschüchterte Lars zum Vorschein kam.
Als sie zum Ende kommt seufzt sie und fragt: „Ist das meine wahre Natur, bin ich noch immer dieser furchtsame Lars?“

Miriam kann darauf keine Antwort geben. Für sie ist Lars ein außergewöhnlicher junger Mann, besser gesagt war er es, denn sie sieht in erster Linie Natascha in ihm. Es ist so, wie es der Klopfer vor einiger Zeit zu ihr sagte, Lars ist kein Mann mehr. Das bringt sie auf eine Idee.
„Vertraust du dem Urteil des Klopfers?“ fragt Miriam.
„Der Klopfer? Was hat er damit zu tun?“
„Vertraust du ihm?“
Natascha überlegt. Der Klopfer ist im Moment nur ein Ding aus Leder für sie, doch dann fällt ihr ein, dass dem nicht immer so war und sie ihn einige Male nicht als toten Gegenstand empfunden hat. Meist war sie bei diesen Gelegenheiten emotional aufgewühlt oder sexuell sehr erregt. Hat sie den Klopfer vor ein paar Tagen nicht selber um Rat gefragt, wie sie mit dem erzwungen Outing umgehen solle. Er hatte ihr zwar nicht geantwortet aber vielleicht hatte er ihr anders geholfen. Ihr seelischen Beistand geleistet, so dass sie die Situation meistern konnte und sich alles zum Guten wendete.

Sie sieht, dass Miriam auf eine Antwort wartet und zuckt mit den Schultern, sagt: „Vertrauen wäre zu hoch gegriffen. Ich habe ihn ein paar mal gehört, meist dann, wenn wir“, Natascha macht eine Geste zur Schlafzimmertür.
„Wenn wir gefickt haben.“Miriam spricht aus was Natascha nicht sagen wollte. Sie schaut ihre Freundin auffordernd an. „Komm sag es, er mag das.”
„Ja, wenn wir gefickt haben.“ Natascha holt tief Luft, „Dazu hätte ich im Moment aber keine Lust.“
Miriam lächelt. „Wir könnten dich schon soweit bringen, das du Lust dazu hast. Ich habe aber etwas anderes im Sinn. Erinnerst du dich an unseren Blutschwur?“
Natürlich erinnert sich Natascha daran. War das doch die Geburtsstunde von Natascha und war das doch der Moment, in dem sich Lars von seinem Vater lösen konnte und sich seinen wahren Gefühlen bewusst wurde.

„Sollen wir denn noch einen Blutschwur machen?“
„Nein, wir fragen den Klopfer um Rat.“
„Das klappt nicht, habe ich schon mal versucht und keine Antwort erhalten.“
„Wann war das denn?“
„Vor einigen Tagen, als ich hier alleine war. Der Tag, nachdem ich von zu Hause abgehauen bin.“
Miriam nimmt Nataschas Hände. „Du hast ihn wirklich gefragt?“
„Ja, es kam aber keine Antwort.“
„Vielleicht hat er dir auf andere Art und Weise geholfen?“
Das hat Natascha auch schon vermutet, sagt es aber nicht.
Miriam überlegt. „Wir bitten ihn um ein Zeichen.“
„Was für ein Zeichen?“

„Das muss ich mir noch überlegen. Wichtig ist im Moment nur, dass du ihm vertraust.“
„Ich werde es versuchen“, es war Natascha nicht klar, was Miriam vorhatte.
„Nicht versuchen, sage das du ihm vertraust.“
Natascha seufzt leise und sagt: „Ich werde ihm vertrauen.“
„Klasse. Jetzt kümmern wir uns zunächst ums Essen und dann werde ich mir überlegen, wie wir den Klopfer um ein Zeichen bitten können.“
Natascha hat nichts dagegen, langsam bekommt sie tatsächlich Hunger, zumal sie nicht alle Brote, die sie mit zur Arbeit genommen hatte, gegessen hat. Sie legt die Brotdose in den Kühlschrank, es widerstrebt ihr Essen wegzuschmeißen.
Miriam hat während der Arbeit im Internet gesurft und eine interessante Seite über kalorienbewusste Ernährung gefunden. Es gab dort Rezepte, von denen sie einige ausgedruckt hat. Heute gibt es darum einen Feldsalat mit Hähnchenbruststreifen. Zum Trinken haben sie heute verschiedenen Fruchtschorlen gekauft und zum Knabbern werden Möhren gestiftelt. Miriam nimmt die Sache mit dem Kalorienzählen wirklich ernst. Natascha ist es egal, sie hatte andere Sorgen. Eher lustlos kaut sie den Salat. Es schmeckt recht fade. Lediglich die Streifen aus gebratener Hähnchenbrust sind etwas würziger.

„Was hast du denn nun mit dem Klopfer vor?“, fragt Natascha zwischen zwei bissen.
Miriam kraust ihre Lippen. „Nicht fragen, du störst mich beim Nachdenken.“
Sie hat es etwas grob gesagt. Lächelt darum ihre Freund lieb an und meint: „Ich bin noch am Grübeln aber mir wird schon etwas einfallen. Iss lieber deinen Salat, bevor er welk wird.“
Beide lachen bei diesem Spruch und Natascha wird etwas lockerer.
„Pass auf“, sagt Miriam nun, „nach dem Essen räume ich die Küche und die Bude etwas auf, dabei kommen mir immer gute Ideen und du rufst bei deiner Schwester an, sagst ihr, dass alles gut ist. Versuche auch mit deiner Ma zu sprechen. Danach schickst du Yus eine Nachricht, schreibst ihm auch, dass alles gut ist und du noch etwas ruhe brauchst. Wenn das erledigt ist, gehen wir runter zu Nicki“

„Und warum das Ganze?“, unterbricht Natascha Miriams Redeschwall.
„Damit wir nachher unsere Ruhe haben. Darum gehen wir runter zu Nicki, bevor diese auf die Idee kommt zu uns zu kommen, oder uns anzurufen. Wir fragen sie nach der Telefonnummer dieser Helga und fragen diese nach den Bildern, ob sie schon fertig sind. Wenn ja, dann machen wir das mit dem Klopfer ein anderes Mal und schauen uns die Fotos an, wenn nicht, nun, dann haben wir auch von dieser Seite keine Störung zu erwarten.“ Miriam schaut ihre Freundin nach dieser Erklärung fragend an, „Alles verstanden?“

Natascha nickt, „Ja, verstanden. Du willst das wir uns ganz auf den Klopfer konzentrieren können.“
„Genau, aber in erster Linie sollst du dich auf ihn konzentrieren.“
Natascha versteht, es geht heute mehr um sie, als um Miriam. Dennoch fragt sie sich, was das Ganze soll, wie soll ein unbelebtes Teil aus Leder ihr einen Rat geben können. In Gedanken zuckt sie mit den Schultern. Miriam glaubt daran, also wird sie ihrer Freundin nicht widersprechen, zumal Natascha sieht, wie angestrengt diese darüber nachgrübelt ihr zu helfen. Aber trotzdem, der Klopfer ist ein toter Gegenstand, auch wenn sie manchmal den Eindruck hat, mehr in ihm zu sehen. Ihr kommt der Spruch, „Der Glaube kann Berge versetzen“, in den Sinn. Vielleicht ist es das? Vielleicht haucht der Glaube einem toten Ding Leben ein. Ist es nicht auch bei anderen Symbolen so? Ein Kreuz aus Holz ist auch ein toter Gegenstand oder der Koran, für einen gläubigen Moslem verkörpert der Koran das Wort Gottes.

Viele Menschen glauben daran und suchen Trost in diesen Symbolen, obwohl es sich streng genommen auch nur um tote Gegenstände handelt.
Natascha hat ihren Teller geleert, ohne sich dessen bewusst geworden zu sein. Sie merkt es erst, als das Geschirr abräumt und sie selber ins Wohnzimmer verfrachtet wird, um zu telefonieren. Sie unterbricht ihre Grübeleien über den Klopfer und wählt Monikas Nummer. Nachdem die Verbindung steht, redet sie erst mit ihrer Schwester und dann mit ihrer Mutter. Sie erfährt dabei, dass ihr Vater sich immer noch nicht beruhigt hat, sich aber nicht mehr so sehr abschottet. Nataschas Mutter meint, dass sie versucht habe mit ihrem Mann zu reden, doch sobald das Thema Lars zur Sprache kommt macht er dicht.
„Aber ihr habt miteinander geredet“, fragt Natascha.
„Ja, allerdings nur belangloses Zeug. Wie schon gesagt, sobald du zur Sprache kommst, macht er vollkommen zu. Als ich ihm gesagt habe, das du ihn verstehst und es ihm nicht nachträgst hat er nur mit den Schultern gezuckt.“

„Immerhin weiß er es nun“, meint Natascha.
„Das stimmt, aber es ändert nichts. Ich kenne deinen Vater, er braucht lange um so etwas zu verdauen. Es wird lange dauern, bis alles wieder normal ist.“
Natascha widerspricht: „So wie es mal war, wird es nie wieder werden. Natascha wird immer zwischen mir und Papa stehen.“
„Da hast du leider recht.“
Natascha hört die Trauer in der Stimme ihrer Mutter und versucht sie zu beruhigen, sagt: „Wir müssen abwarten, wie sich alles entwickelt. Im Moment geht es mir gut und du kannst mich jederzeit besuchen. Ich bin nicht aus der Welt.“
„Ich bin aber noch nicht bereit dazu Natascha kennenzulernen. Das verstehst du doch?“
„Natürlich Mama, wenn du hier her kommst wirst du Lars treffen.“
„Wen hätte ich denn getroffen, wenn ich heute ganz spontan zu euch gekommen wäre?“
Natascha seufzt, als sie erwidert: „Nicht Lars.“

„Das dachte ich mir schon“, ertönt es vom anderen Ende, „du brauchst aber keine Angst zu haben. Ich werde mich vorher anmelden, wenn ich zu Besuch kommen möchte. Ich weiß noch gut, wie sehr es mich störte, dass die Mutter deines Vaters häufig unangekündigt vor der Tür stand.“
Trotz ihres schlechten Gemütszustands muss Natascha grinsen. Die Mutter deines Vaters. Oh ja, ihre Mutter hatte ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter.
„Ich will und ich kann Natascha nicht aufgeben“, platzt es plötzlich aus Natascha heraus.
„Das weiß ich doch. Ich möchte ihr im Moment aber nicht begegnen. Ich brauche Zeit mich daran zu gewöhnen.“

„Die bekommst du. Wenn du uns besuchst, dann wird Lars auf dich warten, Natascha wird solange in den Schrank gesperrt.“ Beide lachen am Telefon.
„Es ist nicht nötig sie in den Schrank zu sperren, sie kann doch spazieren gehen.“
„Okay, so machen wir es“, meint Natascha lakonisch. Die beiden unterhalten sich noch kurz und legen auf.
Nach dem Gespräch mit ihrer Mutter schnappt sich Natascha ihr Handy und tippt eine kurze Nachricht an Yus, in der sie im mitteilt, dass alles gut bei ihr ist und sie sich wieder bei ihm meldet. Kaum ist die Nachricht gesendet, klingelt auch schon das Handy. Natürlich kommt der Anruf von Yus. Er hat Neuigkeiten. Justin wurde heute von ihm zu Rede gestellt und hat zugegeben, dass er es war, der dafür sorgte, dass das Foto von der Genderparty in die Zeitung kam. Yus meint, das er Justin dafür am liebsten erwürgt hätte, er konnte es aber nicht.

Natascha sagt ihm, dass sie das gar nicht will. Rache ist nicht ihr Ding. Justin soll sie nur in Ruhe lassen. Yus verspricht ihr, dass er dafür sorgen wird. Natascha will am liebsten gleich auflegen, ist jedoch höflich genug, noch etwas mit Yus zu plaudern. Sie will nicht, dass er mitbekommt wie es in ihr aussieht und bringt ihre Probleme nicht zur Sprache. So kommt es, dass Yus die meiste Zeit am reden ist und er immer wieder diesen Justin erwähnt und so wie er über ihn spricht muss ihm noch etwas an diesem Typen liegen. Es ist widersinnig, aber Natascha fragt sich, wie sie mit Yus intim werden soll, wenn der wieder mit seinem Lover zusammen ist.
„Du wirst mich doch nicht mit ihm betrügen?“ Natascha weiß nicht wie sie auf diese Frage gekommen ist.

Yus scheint einen Moment perplex zu sein, dann lacht er und meint: „Du weißt doch, ich liebe nur dich.“
„Mmmh“, gurrt Natascha ins Telefon, „du weißt was Frauen hören wollen.“
Was mache ich da? fragt sie sich. Ich flirte mit ihm. Was soll das?
„Wann sehen wir uns wieder?“ fragt Yus nun.
„Bald“, sagt Natascha, obwohl ihr etwas anderes auf der Zunge lag.
„Ich vermisse dich“, kommt es leise von Yus.
„Ich dich auch“, erwidert Natascha leise, obwohl sie wieder etwas anderes sagen wollte. Yus unterbricht die Verbindung und Natascha starrt nachdenklich auf das Telefon. Was war das gerade eben?

Miriam kommt ins Wohnzimmer, sieht das ihre Freundin gedankenverloren mit dem Handy in der Hand im Raum steht und fragt: „Was ist los?“
„Ich habe mit Yus telefoniert, er sagt, das es wirklich Justin war. Das mit dem Bild.“
„So ein Arschloch. Ich hoffe das Yus ihm ordentlich die Meinung gesagt hat.“
„Schon möglich, gesagt hat er nicht darüber. Er fragte, wann wir uns wiedersehen.“
„Und? Was hast du geantwortet?“
„Ich habe kein Datum genannt, habe nur Bald gesagt.“
„Das ist gut, du darfst dich nicht unter druck setzen. Mit deiner Mutter hast du auch schon gesprochen?“
„Ja, habe ich.“
„Prima, dann lass uns zu Nicki gehen. Danach rufen wir bei dieser Helga an und haben für den Rest des Abends freie Bahn. Ich habe mir schon etwas gutes überlegt, für nachher.“
„Was denn?“
„Wirst du schon sehen mein Schatz.“

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